Das vollständige Video-Tutorial zum EMDR-Selbstcoaching

5 Stunden Video-Anleitung mit all dem kompakten Wissen und hilfreichen Übungen für die sofortige Durchführung der EMDR-Selbstanwendung ohne Hilfsmittel. (mehr…)

Das komplette Video-Tutorial zum EMDR-Selbstcoaching

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Warum Perfektionsdruck zu Prokrastination führen kann

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Perfektionsdruck kann Aufschieben begünstigen, wenn schon ein erster Versuch wie ein fertiges Ergebnis beurteilt wird. Dann soll Vermeidung davor schützen, etwas Unvollkommenes zu sehen oder bewerten zu lassen. Hoher Anspruch allein erklärt diese Reaktion nicht. EMDR-Selbstcoaching kann bei einer beherrschbaren Alltagsbelastung am konkreten Lösch- oder Verwerfmoment ansetzen: an der erwarteten Abwertung, dem Gefühl dazu und der körperlichen Anspannung. Fachliche Qualitätsanforderungen bleiben bestehen.

Frau vergleicht Notizen mit mehreren aufgeschlagenen Büchern am Schreibtisch

Du möchtest einen kurzen Text über dein Hobby verfassen. Der erste Satz steht. Noch bevor du den Gedanken weiterführst, liest du ihn so, als wäre er bereits öffentlich. „So kann ich das niemandem zeigen.“ Du löschst ihn. Der nächste Anfang hält kaum länger.

Nach mehreren Versuchen legst du die Arbeit weg. Von außen sieht es aus, als hättest du noch gar nicht begonnen. Tatsächlich hast du begonnen und jeden Anfang wieder zurückgenommen. Genau an dieser Stelle können Perfektionsdruck und Prokrastination ineinandergreifen.

Die Endfassung entscheidet zu früh über den Entwurf

Ein erster Versuch hat einen anderen Zweck als ein fertiges Ergebnis. Er macht einen Gedanken sichtbar, an dem du weiterarbeiten kannst. Wenn du schon von ihm verlangst, überzeugend, vollständig und vorzeigbar zu sein, muss er Bedingungen erfüllen, für die der weitere Arbeitsprozess erst gedacht ist.

Dadurch entsteht ein Widerspruch: Um eine gute Fassung zu entwickeln, brauchst du Material. Damit Material entstehen darf, soll es aber bereits gut sein. Jeder noch offene Punkt scheint dann gegen den Versuch zu sprechen, obwohl er eigentlich eine normale Aufgabe für die Überarbeitung wäre.

Der entscheidende Übergang liegt also nicht einfach bei „Ich möchte gute Arbeit machen“. Er liegt dort, wo ein unfertiger Stand nicht mehr bestehen darf. Ein hoher Anspruch kann das Arbeiten anspornen. Zum Aufschieben trägt er in dieser Konstellation bei, wenn er jeden bearbeitbaren Zwischenstand verhindert.

Was das Löschen außer dem Satz noch entfernt

Vielleicht ist eine Formulierung tatsächlich unklar. Sie zu ändern wäre sachliche Arbeit. Beim Gedanken „So kann ich das niemandem zeigen“ kommt möglicherweise etwas anderes hinzu: Du siehst schon vor dir, wie jemand deinen Versuch belächelt. Der Satz erscheint dir als Beweis, dass du nichts Brauchbares zustande bringst.

Wird es dabei heiß im Gesicht oder fest in den Schultern, kann das Löschen auch Abstand von Scham und Anspannung schaffen. Für einen Moment musst du die unfertige Formulierung nicht mehr ansehen. Gleichzeitig fehlt nun wieder der Text, an dem du weiterarbeiten wolltest.

Thomas Buhl erläutert in seinem Buch, wie Vermeidungsreaktionen dem Schutz vor belastendem Erleben dienen und dennoch Handlungsspielräume einschränken können. Auf diesen Vorgang bezogen lässt sich das Verwerfen als mögliche Schutzreaktion verstehen. Das erklärt die konkrete Verbindung von Bewertungsdruck und Aufschieben, ohne jeden Perfektionismus auf dieselbe Ursache zurückzuführen.

Auch langes Vorbereiten kann in diesem Zusammenhang eine ähnliche Funktion bekommen: Solange du noch Material sammelst, muss kein eigener Versuch sichtbar werden. Ob das bei dir zutrifft, hängt davon ab, ob die Vorbereitung eine konkrete offene Frage beantwortet oder vor allem den Kontakt mit deinem Entwurf hinauszögert.

Nicht jedes Überarbeiten ist Vermeidung

Der Unterschied liegt nicht in einer bestimmten Zahl von Änderungen. Ein schwieriger Gedanke kann mehrere Anläufe brauchen. Ein sachlicher Fehler muss korrigiert werden. Und manchmal stellt sich heraus, dass eine Information fehlt, ohne die der Text nicht stimmen kann.

Aufschlussreicher ist, was durch die Änderung möglich wird. Klärt sie den Inhalt und lässt die Arbeit vorankommen? Oder verschwindet regelmäßig der gesamte Versuch, sobald du dir eine Bewertung vorstellst? Im zweiten Fall könnte das Unbehagen mit dem Zwischenstand wichtiger geworden sein als dessen tatsächlicher Mangel.

Diese Unterscheidung verhindert auch eine falsche Lösung: Einfach jede Qualitätsanforderung aufzugeben würde das Problem nicht treffen. Der Text soll weiterhin seinen Zweck erfüllen. Nur muss sein erster Satz nicht schon vorwegnehmen, was erst durch Ausarbeiten und Überarbeiten entstehen kann.

Der Verwerfmoment als Ansatzpunkt für innere Arbeit

Wenn dir das sachlich klar ist und der eigene Versuch trotzdem kaum auszuhalten scheint, kannst du die Szene genauer fassen: Du liest den ersten Satz, erwartest Abwertung, empfindest Scham und möchtest ihn sofort entfernen. Das ist ein begrenzter Bezugspunkt für EMDR-Selbstanwendung. „Mein gesamter Perfektionismus“ wäre dagegen ein sehr weiter Auftrag.

Thomas Buhl, EMDR- und Traumatherapeut, vermittelt in seinem selbst entwickelten Sechs-Schritte-Modell die Verbindung von Thema, Emotion, Körperempfindung und bilateraler Stimulation. Die innere Arbeit betrifft hier die belastende Bedeutung des unfertigen Versuchs. Sie liefert weder den fehlenden Satz noch ein Urteil über seine Qualität.

Wenn du EMDR zu Hause anwenden möchtest, lerne den vollständigen Ablauf aus Buch oder Tutorial und beachte die Eignungsgrenzen. Gemeint sind nicht-krankhafte, beherrschbare Alltagsthemen. Du kannst die Anwendung jederzeit beenden. Starke Einschränkungen, Überforderung oder traumatische Erinnerungen benötigen professionelle Unterstützung.

Ein Zwischenstand muss noch niemanden überzeugen

Die kausale Verbindung wird an einer kleinen Verschiebung deutlich: Aus „Dieser Satz lässt sich verbessern“ wird „Diesen Satz darf es so nicht geben“. Im ersten Fall bleibt Arbeit möglich. Im zweiten Fall kann das Beseitigen des Unbehagens wichtiger werden als das Entwickeln des Textes.

Eine mögliche innere Entlastung und die tatsächliche Textarbeit bleiben verschiedene Aufgaben. Auch danach kann eine Formulierung misslingen. Entscheidend ist, ob sie als bearbeitbarer Versuch bestehen darf. Der unfertige Satz muss noch keinen Leser überzeugen; zunächst muss er dir ermöglichen, deinen Gedanken weiterzuführen.

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