Wenn dich Aufschieben emotional oder mental immer stärker belastet, lohnt es sich, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen. Entscheidend ist auch dein Gefühl, ob du mit der Situation noch allein zurechtkommst. EMDR-Selbstcoaching kann bei überschaubaren, nicht krankhaften Befindlichkeiten an einer konkreten Reaktion wie Scham über einen Rückstand ansetzen. Hast du den Eindruck, dir nicht mehr selbst helfen zu können, ist Unterstützung durch eine Fachperson sinnvoll.

Eine Aufgabe ist wieder liegen geblieben. Zunächst ärgerst du dich darüber. Doch inzwischen beschäftigt dich der Rückstand auch dann, wenn du etwas anderes machst. Du nimmst dir vor, morgen neu anzufangen, und merkst gleichzeitig, wie viel Kraft dich schon dieser Vorsatz kostet.
Vielleicht ist es weniger die unerledigte Aufgabe selbst als das, was du inzwischen mit ihr verbindest: Selbstvorwürfe, Scham oder die Sorge, erneut nicht weiterzukommen. Dann verdient auch diese Belastung Aufmerksamkeit.
Wann wird Prokrastination zu einer größeren Belastung?
Ein schwieriger Tag oder ein verschobenes Vorhaben muss nicht gleich Anlass zur Sorge sein. Es macht aber einen Unterschied, ob du dich nach einer Enttäuschung wieder sammeln kannst oder ob dich die innere Belastung zunehmend einnimmt.
Am Anfang konntest du die Aufgabe vielleicht für den Abend beiseitelegen. Jetzt denkst du selbst beim Essen daran und machst dir Vorwürfe, obwohl du gerade gar nicht daran arbeiten kannst. Aus dem Ärger über eine unerledigte Sache wird etwas, das mehr Raum in deinem Tag beansprucht. Diese Veränderung ist einen aufmerksamen Blick wert. Dabei zählt nicht, ob jemand anderes die Aufgabe leicht finden würde, sondern wie belastend du die Situation erlebst.
Vielleicht reichen auch deine gewohnten Wege, dich zu entlasten, gerade nicht mehr aus. Oder du spürst schlicht: „Ich weiß nicht mehr, wie ich da allein herauskomme.“ Diesen Eindruck musst du nicht übergehen, nur weil die Aufgabe von außen klein erscheint.
Es geht darum, aufmerksam mit dir umzugehen. Wenn die Belastung anhält, wächst oder deinen Alltag deutlich beeinträchtigt, kann auch ein krankhafter Hintergrund eine Rolle spielen. Das lässt sich aus dem Aufschieben allein nicht erkennen. Eine Fachperson kann helfen, das einzuordnen.
Was du dir beim Selbstcoaching zumuten möchtest
Der EMDR- und Traumatherapeut Thomas Buhl hat seinen eigenen Selbstcoaching-Ansatz in sechs Schritten entwickelt. Er ist ausschließlich für nicht krankhafte Befindlichkeiten gedacht. In seinem Buch und Tutorial gehört deshalb auch die Frage dazu, ob du dich einem Thema allein zuwenden möchtest und dich dafür ausreichend stabil und belastbar fühlst.
Bei einer überschaubaren Alltagsbelastung kann beispielsweise der Blick auf einen einzelnen Rückstand zum Thema werden: Du denkst „Das hätte ich längst erledigen wollen“, empfindest Scham und bemerkst Anspannung. Die innere Arbeit bezieht sich auf diese begrenzte Reaktion. Sie soll nicht sämtliche Schwierigkeiten mit dem Aufschieben auf einmal lösen.
Beherrschbar heißt dabei nicht, dass du dich nur genug zusammenreißen musst. Es geht auch darum, ob du einen einzelnen Moment betrachten und dich anschließend wieder davon lösen kannst. Fühlst du dich heute ausreichend belastbar? Möchtest du dich diesem Thema aus eigener Entscheidung allein zuwenden? Wenn du unsicher bist, musst du die Eignung nicht allein beurteilen.
Wenn du EMDR selbst anwenden möchtest, brauchst du den vollständig erlernten Ablauf und ein Thema, das für dich beherrschbar bleibt. Du darfst pausieren oder aufhören. Überfordert dich das Erleben, ist das kein Auftrag, dich noch stärker anzustrengen oder allein weiterzumachen. Selbstcoaching ersetzt keine erforderliche Behandlung.
Unterstützung anzunehmen gehört zum sorgsamen Umgang mit dir
Du musst nicht erst alle Möglichkeiten der Selbsthilfe ausschöpfen, bevor du dir Begleitung zugestehst. Es genügt, wahrzunehmen, dass deine eigenen Möglichkeiten gerade nicht ausreichen.
Ein gemeinsames Gespräch kann zunächst helfen, die Situation zu sortieren: Was an der Aufgabe ist tatsächlich offen, was belastet dich daran, und was brauchst du im Moment? Vielleicht fehlt eine praktische Entlastung. Vielleicht möchtest du deine innere Reaktion mit jemandem besprechen, statt dich allein damit zu beschäftigen. Du musst dein Anliegen dafür noch nicht vollständig erklären können. Auch „Ich komme gerade nicht weiter“ ist ein verständlicher Anfang.
Die Frage darf deshalb lauten: „Was kann ich im Moment gut selbst tragen, und wobei möchte ich Unterstützung?“ Diese Einschätzung kann sich verändern. Sie ernst zu nehmen heißt, deine Kräfte zu berücksichtigen und dir die Begleitung zu erlauben, die du gerade brauchst.










