Selbstzweifel bei neuer beruflicher Verantwortung verlangen einen genauen Blick auf den Auftrag: Fehlen Einarbeitung, Befugnisse oder Fachkenntnisse, müssen diese Voraussetzungen geklärt werden. Ist die Aufgabe bewältigbar, doch schon ihre Übernahme löst „Dafür bin ich nicht gut genug“ und einen Rückzugsimpuls aus, kann EMDR-Selbstcoaching an dieser begrenzten Alltagsbelastung ansetzen. Es bearbeitet nicht die Zuständigkeit selbst und ersetzt keinen realistischen Abgleich deiner Fähigkeiten.

Im Projektplan steht erstmals dein Name unter „verantwortlich“. Bisher hast du die Ergebnisse zugeliefert. Nun sollst du die fachliche Abstimmung führen und eine Empfehlung vertreten. Du kennst das Thema, aber beim Blick auf die neue Zeile denkst du sofort an die erfahrenere Kollegin.
Am liebsten würdest du sagen, dass sie es lieber übernehmen soll. Vielleicht wird deine Stimme schon bei dem Gedanken leiser, die Schultern ziehen sich hoch. Du hast noch keine konkrete Schwierigkeit geprüft. Trotzdem fühlt es sich an, als hätte die neue Aufgabe einen Irrtum aufgedeckt: Dir wird mehr zugetraut, als du leisten kannst.
Was bedeutet „verantwortlich“ in diesem Auftrag?
Eine neue Rollenbezeichnung kann viel offenlassen. Sollst du Informationen zusammenführen, eine Empfehlung ausarbeiten oder selbst entscheiden? Wer unterstützt dich bei fachlichen Rückfragen? Welche Entscheidungen liegen weiterhin bei einer anderen Person?
Kläre den Umfang so konkret, dass er sich an Tätigkeiten erkennen lässt. „Die Abstimmung vorbereiten und die offenen Punkte benennen“ ist ein anderer Auftrag als „für jedes mögliche Problem allein die Lösung kennen“. Manchmal entsteht ein Teil der Unsicherheit gerade dadurch, dass du dir Letzteres zusätzlich auferlegst.
Fehlt tatsächlich eine Qualifikation oder die notwendige Einarbeitung, braucht es dafür eine Lösung. Auch Verantwortung ohne passende Befugnisse ist kein Mangel an Selbstvertrauen. Du darfst Voraussetzungen einfordern oder einen Auftrag begründet begrenzen. Innere Arbeit soll dich nicht dazu bringen, eine sachlich untragbare Rolle einfach auszuhalten.
Neu in der Rolle heißt nicht neu im Fach
Schau auf das, was du bereits beitragen kannst. Welche Aufgaben hast du bisher zuverlässig bearbeitet? Wo kennst du die Daten oder Zusammenhänge? Und welcher Teil ist wirklich neu? Aus diesen Fragen ergibt sich ein genaueres Bild als aus dem Vergleich mit jemandem, der dieselbe Rolle seit Jahren ausübt.
Vielleicht musst du lernen, eine Abstimmung zu strukturieren, während dein Fachwissen längst ausreicht. Dann liegt eine begrenzte Lernaufgabe vor. Die Aussage „Dafür bin ich nicht gut genug“ macht daraus dagegen ein Urteil über deine gesamte Eignung.
Neue Verantwortung verlangt auch nicht, jede Antwort allein zu liefern. Du kannst eine Empfehlung vertreten und offen benennen, welche Information noch fehlt. Eine gezielte Rückfrage ist etwas anderes, als die gesamte Zuständigkeit vorsorglich zurückzugeben.
Ob dein Rückzug sachlich begründet oder durch Selbstabwertung geprägt ist, lässt sich nicht allein am unangenehmen Gefühl entscheiden. Prüfe den tatsächlichen Auftrag und deine Reaktion darauf getrennt. Beides kann gleichzeitig Aufmerksamkeit brauchen.
Der Moment, in dem du deinen Namen wieder streichen möchtest
Nach der Klärung bleibt vielleicht der Impuls: Die Kollegin sollte es machen. Was löst ihn aus? Der eigene Name neben der Verantwortung? Die Vorstellung, eine Empfehlung mit deiner fachlichen Einschätzung zu begründen? Oder die Erwartung, eine Rückfrage nicht sofort beantworten zu können?
Wähle den konkreten Augenblick, in dem du innerlich zurückweichst. Im Projektplan-Beispiel siehst du deinen Namen und denkst „Dafür bin ich nicht gut genug“. Dazu kommen Unsicherheit, angespannte Schultern und der Wunsch, die Rolle abzugeben. Diese Beschreibung ist genauer als „Ich muss selbstbewusster werden“.
Es braucht dafür keine vermutete Kindheitsgeschichte. Eine frühere Erfahrung kann eine Rolle spielen, muss aber nicht gefunden werden. Auch der aktuelle Wechsel vom Zuarbeiten zum Verantworten kann deutlich genug sein, um dein Erleben daran zu betrachten.
Mit der Belastung arbeiten, nicht die Rolle schönreden
Der eigene Sechs-Schritte-Ansatz des EMDR- und Traumatherapeuten Thomas Buhl beginnt bei einem gewählten Thema und dessen emotionalem und körperlichem Erleben. Für deine Situation könnte das genau der Blick auf die neue Zuständigkeit sein. Im weiteren Ablauf wird dieser Bezugspunkt mit bilateraler Stimulation verbunden.
EMDR-Selbstcoaching zielt hier auf die Belastung, die beim Übernehmen der Verantwortung entsteht. Es bescheinigt dir keine Kompetenz und verpflichtet dich nicht, den Auftrag anzunehmen. Auch nach einer möglichen Entlastung bleiben Lernbedarf, Zuständigkeit und verfügbare Unterstützung sachlich zu beurteilen.
Für die EMDR-Selbstanwendung ist ein begrenztes, nicht-krankhaftes Alltagsthema Voraussetzung. Nutze nur einen vollständig erlernten Ablauf und einen Rahmen, in dem du ausreichend Zeit hast. Bei Überforderung kannst du aufhören und dir fachliche Hilfe holen. Stark belastende Erinnerungen oder anhaltende erhebliche Einschränkungen gehören in professionelle Begleitung.
Du musst außerdem nicht erst jede Unsicherheit bearbeiten, bevor du eine neue Rolle ausfüllen darfst. Selbstcoaching ist eine mögliche Unterstützung, keine Eignungsprüfung und keine zusätzliche berufliche Pflicht.
Übernimm einen klar benannten Teil der Verantwortung
Für die erste Abstimmung könntest du festhalten, welche Empfehlung du aus den vorhandenen Informationen ableitest und welche offene Frage du mitbringst. Damit wird dein Beitrag konkret. Du musst nicht die Rolle der erfahrensten Person im Raum spielen.
Vereinbare passende Rücksprache, ohne die Zuständigkeit automatisch wieder abzugeben. An einer begrenzten Aufgabe lässt sich beobachten, was du bereits kannst und wobei du Unterstützung benötigst. Dein Name im Projektplan muss dann weder ein Versprechen vollständiger Sicherheit noch ein Irrtum sein. Er bezeichnet einen geklärten Auftrag, den du mit deinen vorhandenen Fähigkeiten und der vereinbarten Hilfe angehst.









