Das vollständige Video-Tutorial zum EMDR-Selbstcoaching

5 Stunden Video-Anleitung mit all dem kompakten Wissen und hilfreichen Übungen für die sofortige Durchführung der EMDR-Selbstanwendung ohne Hilfsmittel. (mehr…)

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Warum prokrastiniere ich? Wie sich Aufschieben als Vermeidung festigen kann

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Wiederholtes Aufschieben kann damit zusammenhängen, dass eine Aufgabe unangenehme Erwartungen weckt und das Vertagen zunächst entlastet. Frühere Kritik oder beschämende Erfahrungen können dabei mitwirken; sie erklären nicht jede Prokrastination. Neben heutigen Arbeitsbedingungen lohnt deshalb der Blick auf gelernte Vermeidung. EMDR-Selbstcoaching bietet bei beherrschbaren Alltagsthemen einen möglichen Zugang zu einer konkret erinnerten Abwertung und der Belastung, die bei einer ähnlichen Aufgabe heute entsteht.

Frau lehnt sich mit einem Buch in der Hand an ihrem Schreibtisch zurück

Eine Aufgabe steht an, die du eigentlich beherrschst. Doch sobald du einen eigenen Lösungsvorschlag ausarbeiten sollst, möchtest du sie verschieben. Vielleicht fällt dir eine frühere Situation ein: Du hattest dir Mühe gegeben, jemand griff einen Fehler heraus, und plötzlich war dein ganzer Versuch nichts mehr wert. Heute ist die Aufgabe eine andere. Die Erwartung, wieder so dazustehen, fühlt sich trotzdem vertraut an.

Du nimmst dir vor, morgen anzufangen. Für einen Augenblick wird es leichter. Dieser kleine Unterschied zwischen der Anspannung vor der Aufgabe und der Entlastung nach dem Verschieben kann helfen zu verstehen, weshalb sich das Ausweichen wiederholt.

Warum etwas, das später belastet, zunächst erleichtern kann

Thomas Buhl beschreibt in seinem Buch Schutz- und Vermeidungsreaktionen als eine mögliche Erklärung für eingeschränktes Handeln. In diesem Modell kann eine heutige Anforderung an frühere belastende Erfahrungen anknüpfen. Du weichst dann womöglich nicht allein der Arbeit aus, sondern auch dem Gefühl, das du mit ihr verbindest.

Auf das Aufschieben übertragen heißt das: Einen Vorschlag noch nicht auszuarbeiten hält auch die erwartete Kritik auf Abstand. Die Aufgabe bleibt unerledigt, aber du musst dich jetzt nicht mit der Möglichkeit einer Abwertung befassen. Gerade diese unmittelbare Entlastung kann das Ausweichen attraktiv machen, obwohl du seine späteren Nachteile kennst.

Mit der Zeit kann ein zusätzlicher Grund hinzukommen: Nun schämst du dich auch dafür, so lange gewartet zu haben. Die ursprüngliche Befürchtung und der Rückstand belasten gemeinsam. Das erklärt eine mögliche Entwicklung des Musters, ohne daraus eine feste Eigenschaft wie Faulheit oder mangelnden Willen abzuleiten.

Frühere Erfahrungen sind ein möglicher Einfluss, keine fertige Erklärung

Welche Ursachen kann Prokrastination in der Kindheit haben? Wenn eigene Versuche häufig abgewertet wurden, kann es nachvollziehbar erscheinen, sich später mit unfertigen Ergebnissen zurückzuhalten. Thomas Buhls Erklärmodell nimmt solche Verbindungen zwischen Erfahrung, Bewertung und Schutzreaktion auf. Es liefert jedoch keinen Nachweis, dass dein heutiges Aufschieben aus einer bestimmten Kindheitssituation entstanden ist.

Auch spätere Erfahrungen können bedeutsam sein. Eine herabsetzende Rückmeldung in einer Ausbildung oder ein misslungener eigener Versuch liegt vielleicht näher als eine frühe Erinnerung. Ebenso können aktuelle Bedingungen ausreichen: zu viel Arbeit, ein unklarer Auftrag oder fehlendes Wissen. Dafür muss keine verborgene Vergangenheit verantwortlich sein.

Es wäre deshalb voreilig, aus „Ich prokrastiniere stark“ auf ein Trauma zu schließen. Eine vertraute Körperreaktion beweist ebenfalls keine bestimmte Ursache. Wenn du keine passende Erinnerung hast, bleibt diese Frage offen. Du brauchst keine Geschichte zu finden, die das Aufschieben nachträglich erklärt.

Was ähnelt sich damals und heute wirklich?

Wenn dir eine Szene ohnehin klar in Erinnerung ist, lohnt eine nüchterne Unterscheidung. Was geschah damals tatsächlich? Was erwartest du heute? Vielleicht wurde seinerzeit ein einzelner Fehler zum Anlass genommen, deine Fähigkeit insgesamt infrage zu stellen. Heute rechnest du schon beim Ausarbeiten eines Vorschlags mit demselben Urteil.

Die Ähnlichkeit könnte also weniger in der Aufgabe liegen als darin, dass ein eigener Versuch beurteilt werden wird. Zugleich gibt es Unterschiede: andere Menschen, andere Anforderungen, mehr Erfahrung oder die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen. Diese Unterschiede dürfen sichtbar bleiben, auch wenn sich die alte Erwartung noch überzeugend anfühlt.

Damit wird genauer erkennbar, was du vermeidest. „Ich schiebe schwierige Dinge auf“ wäre sehr weit. „Sobald mein eigener Vorschlag beurteilt werden könnte, erwarte ich Beschämung“ beschreibt einen möglichen Zusammenhang. Er bleibt eine persönliche Beobachtung und wird nicht zur allgemeinen Erklärung deiner Lebensgeschichte.

Eine erinnerte Abwertung als begrenztes Thema

Ein möglicher Bezugspunkt für die innere Arbeit ist die klar erinnerte Rückmeldung samt deiner heutigen Reaktion darauf: Du denkst an den damaligen Fehler, empfindest Scham und bemerkst etwa ein Zusammenziehen im Bauch. Beim Gedanken an die ähnliche aktuelle Aufgabe entsteht derselbe Rückzugsimpuls. Beobachte nur, was tatsächlich da ist.

Der EMDR- und Traumatherapeut Thomas Buhl hat für solche begrenzten Alltagsthemen seinen eigenen Selbstcoaching-Ansatz in sechs Schritten entwickelt. Thema, Emotion und Körperempfindung werden dabei mit bilateraler Stimulation, insbesondere geführten Augenbewegungen, verbunden. Die Arbeit richtet sich auf die Belastung durch die Szene; sie bestätigt keine vermutete Ursache.

Wer EMDR selbst anwenden möchte, braucht den vollständig erlernten Ablauf und ein nicht-krankhaftes Thema, das beherrschbar bleibt. Buhls Buch und Tutorial vermitteln Vorgehen und Eignungsgrenzen. Eine belastende Erinnerung soll nicht absichtlich intensiviert werden. Bei Überforderung beendest du die Anwendung und suchst fachliche Unterstützung; traumatische Inhalte gehören in professionelle Begleitung.

Ursachenverständnis darf eine offene Stelle behalten

Bei der EMDR-Selbstanwendung geht es um die Belastung durch die gewählte Szene. Du musst dafür nicht erklären können, woher jede Reaktion stammt. Eine eindeutig erinnerte, überschaubare Szene reicht als Bezugspunkt; ohne solche Erinnerung musst du keine rekonstruieren. Bei anhaltend starken Einschränkungen ist professionelle Abklärung sinnvoll.

Vielleicht verstehst du nun besser, wovor dich das Vertagen kurzfristig bewahren soll. Daraus folgt noch kein fertiger Veränderungsplan. Es hilft dir aber, einen Unterschied festzuhalten: Welche Schwierigkeit liegt heute in der Aufgabe selbst, und welche belastende Erwartung bringst du mit? Beides verdient eine passende Antwort.

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